Die Kunst des X-Wing 1: Die Bewertung der Lage


„Krieg ist für jeden ein Ereignis von großer Bedeutung“


Bereits vor gut 2500 Jahren schrieb der frühchinesische Krieger und General Sunzi sein Werk „Die Kunst des Krieges“ oder, wie es genauer übersetzt heißen müsste, „Die Gesetze des Krieges“. In jenem Werk hielt er die seiner Meinung nach unabdingbaren Gesetze und Regeln der Kriegführung fest, um einem jeden General die Möglichkeit zum Sieg mit auf den Weg zu geben. Auch nach über 2000 Jahren hat sein Werk immer noch Gültigkeit und wird noch heute an Militärakademien gelehrt. Eines der für mich verblüffendsten Dinge an diesem Schriftstück ist allerdings, das es nicht nur für das Militär, sondern eigentlich für jegliche Konfliktsituation Gültigkeit besitzt und dem Kenner des Werkes die Mittel an die Hand gibt, um in einem Streit die Oberhand zu erringen oder in einem Vorstellungsgespräch zu brillieren. Und selbstverständlich lässt es sich auch auf eine kompetitive Spielumgebung wie X-Wing anwenden, sonst würde dieser Artikel hier nicht entstehen.


„Wer zu einer sachlichen Bestandsaufnahme gelangen will, lässt sich von 5 Gesichtspunkten leiten“


Im ersten Kapitel seines Werkes lehrt uns Sunzi, die Lage richtig zu bewerten und nennt dafür fünf wichtige Punkte, anhand derer ein guter General seinen Stand abschätzen kann:

  • Moral
  • Klima
  • Gelände
  • Führung
  • Ordnung

Betrachten wir diese fünf Punkte einmal im Bezug auf X-Wing, um ihre Gültigkeit zu erkennen:

1. Die Moral

Im Bezug auf X-Wing ist die Moral nicht auf eine Truppe oder ein Regiment zu beziehen, sondern auf die eigene Stimmung und Einstellung. Bin ich am Tag eines Turniers gut gelaunt und habe eine positive Einstellung zum Spiel, oder bin ich schlecht drauf und habe eigentlich gar keine Lust, die Schiffe zu schieben? Die Antwort auf diese Frage kann im vorhinein schon die Performance auf dem Turniers bestimmen. Wer lustlos und schlecht gelaunt auf ein Turniers fährt, der wird nicht gut abschneiden können. Wer allerdings mit bester Laune und voller Vorfreude antritt, der wird voraussichtlich besser abschneiden. Nun liegt es in der Natur des Menschen, nicht immer bester Laune und voller Motivation zu sein. Daher sollte sich jemand, der gerne erfolgreich spielt, von vornherein überlegen, wie er mit schlechter Moral umgeht und was er tun kann, um seine Moral zu verbessern. Ein gutes Beispiel hierfür sind meine letzten Spiele gegen meinen Teamkollege Zurbarad. Dieser fliegt seit einer Ewigkeit seine Ketsu-Jumpmaster Attani Liste und ich hatte immer das Gefühl, nicht gegen diese Liste gewinnen zu können. Ergo bin ich in die letzten Spiele immer mit schlechter Moral gegangen und habe dementsprechend auch weiterhin verloren. Bis zu unserem letzten Turniers. Ich hatte bereits 2 Siege in der Tasche und wollte diese Liste nicht zwischen mich und ein gutes Ergebnis kommen lassen. Also ging ich sehr motiviert und mit einem Plan an das Spiel heran und konnte tatsächlich einen (knappen) Sieg einfahren. Daran habe ich gemerkt, wie sehr die Moral das eigene Spiel beeinflusst.

2. Das Klima

Sunzi unterscheidet das Klima ursprünglich wie folgt: dunkel/hell, heiß/kalt und der Einfluss der Jahreszeiten. Dies trifft so auch im weitesten Sinne auf eine Partie X-Wing bzw. die Turnierumgebung zu. Lasst und dies näher betrachten:

Die Frage nach dunkel oder hell kann man im Prinzip auf die Beleuchtung der Location ummünzen. Ist ausreichend Licht vorhanden? Kann ich als Spieler mit den Lichtverhältnissen umgehen? Und falls das Licht in meinen Augen nicht ausreicht, kann ich etwas daran ändern? Natürlich muss auch immer überlegt werden, ob dieser Faktor Auswirkungen auf das Spiel haben kann, bevor man Zeit und Energie investiert, um eine Veränderung zu erzielen.

Ich persönlich habe festgestellt, das auf vielen Turnieren die Frage nach Hitze bzw. Kälter für mich als Spieler sehr wichtig geworden ist. Erwarte ich, dass es in der Location eher heiß und stickig sein wird, oder erwarte ich eine zügige, kühlere Umgebung? Von meinen Erwartungen in diesem Bereich hängt ab, was ich für das Turniers anziehen werde. Ist es sehr heiß, ist leichtere Kleidung besser, damit ich mich wohl fühle. Ist es allerdings zugig, möchte ich vielleicht doch lieber eine lange Hose oder einen Pulli haben. Für mich als Spieler hängt viel davon ab, ob ich mich wohl fühle. Wenn ich mich im gegebenen Klima nicht wohl fühle, kann ich nicht so gut spielen und werde häufiger verlieren oder die Lust verlieren, was wiederum zu schlechterer Moral führt. Ein guter Spieler kann sich also den gegebenen umständen anpassen und immer in seine Komfortzone gelangen.

Bleibt noch, den Einfluss der Jahreszeiten zu betrachten. In meinen Augen hängen Hitze und Kälter ganz stark mit der jeweiligen Jahreszeit zusammen. Im Sommer sind die Location heißer, während sie im Winter kühler sind. Aber auch auf die Anreise können die Jahreszeiten Einfluss nehmen und man sollte sich immer eine dem Wetter entsprechende Anreisemöglichkeit überlegen. Wer will schon bei strömendem Regen oder in Eiseskälte mit dem Fahrrad zum Turniers fahren?

3. Das Gelände

Das Gelände kann man als X-Wing Spieler unter vielen verschiedenen Gesichtspunkten betrachten. Das fängt mit dem Drumherum um die Location an und hört mit der Betrachtung jedes einzelnen Spieltischs auf (wir lassen das Asti-Placement hier mal außer Betracht, das wird später noch erläutert). Um die Location spielen bspw. solche Faktoren wie das Vorhandensein von Parkplätzen, die Erreichbarkeit mit den Öffentlichen Verkehrsmitteln und bspw. die Möglichkeit zur Versorgung mit Essen eine Rolle. Ich persönlich versuche meist vor größeren Turnieren, mir einen Überblick über eben diese Faktoren zu schaffen, um ggf. vorbereitet zu sein und bspw. mehr Zeit für die Anfahrt einzuplanen, wenn man vom Parkplatz noch laufen muss.

In der Location gibt es viele verschiedene Eigenschaften des Geländes, die Einfluss auf den Verlauf des Turnieres haben können. Dazu zählen für mich beispielsweise Dinge wie die Erreichbarkeit der Toiletten, der Zugang zu den Spieltischen und auch ein Überblick über die Plätze, an denen die Paarungen ausgehängt werden. Um einen möglichst flüssigen Ablauf zu garantieren ist es für mich wichtig, alle diese Faktoren so frühzeitig wie möglich zu klären. Wenn ich bspw. weiß, wo die Paarungen ausgehängt werden und wo die jeweilige Tischnummer sich befindet, kann ich schneller meinen Tisch erreichen und entspannter auf- und wieder abbauen, da ich keinen Stress damit haben werde, zum nächsten Spiel pünktlich zu sein. In die gleiche Kategorie gehören auch die Erreichbarkeit von Toiletten und zum Beispiel der „Bar“ (falls vorhanden). Kann ich nämlich gut abschätzen, wie lange ich zum stillen Örtchen oder zu einem kühlen Getränk und zurück brauche, kann ich das zwischen den Spielen entspannter erledigen.

4. Die Führung

Sunzu bezieht die Führung auf den General und seinen Stab sowie auf deren Verhältnis zu den Soldaten. Eine Armee wird nur einem guten Anführer bis an den Rand der Hölle und wieder zurück folgen. Bei X-Wing ist dies natürlich etwas schwieriger, da die Schiffe einen nicht verstehen oder eine echte Moral haben. Nichts desto trotz ist es als „General“ immanent wichtig, die Fähigkeiten der eigenen Truppen zu kennen und in jeder Situation richtig beurteilen zu können. Auch zeichnet ein guter Anführer sich dadurch aus, dass er den Gegner versteht und einschätzen kann. Nur so kann er bestimmen, wann es sich lohnt zu kämpfen, und wann die Zeit ist, einem Kampf aus dem Weg zu gehen. Übersetzt bedeutet dies: kenne deine Manöver, lerne, wohin dich ein bestimmtes Manöver führen wird und sei in der Lage abzuschätzen, ob bspw. ein rotes Manöver in einem bestimmten Moment wirklich notwendig ist, oder ob dich ein weißes Manöver zum selben oder einem gleichwertigen Ziel führen kann.

Auch ist die Kenntnis des Gegners als X-Wing Spieler sehr wichtig. Wenn man die Möglichkeiten des Gegners kennt und gut beurteilen kann, fällt es leichter, Bewegungen zu antizipieren und sich auf den Feind einzustellen. Das ist der Weg zum Erfolg. Bei den besten Spielern der Welt lässt sich dies immer wieder beobachten, wenn sie bspw. einen Block aus dem gefühlten Nichts heraus richtig setzen oder eine Bombe viele Runde im Voraus platzieren, weil sie davon ausgehen (können) das der Gegner an dieser Stelle irgendwann unweigerlich vorbei kommen wird.

5. Die Ordnung

Die Ordnung bezieht sich bei Sunzu auf die Ordnung der Truppen, also wie sie sich aufstellen, marschieren und auch Lagern. Nur wenn ein General seine Truppen in Ordnung hält kann er den Überblick wahren und weiß zu jeder Zeit, welche Entscheidungen er treffen muss.

Im Bezug auf X-Wing lässt sich dies auf viele mögliche Arten betrachten. Es fängt mit der Verstauung der Schiffe und Spielmaterialien auf dem Weg zum und vom Turnier und zwischen den Spielen an. Wenn ich als Spieler eine für mich möglichst einfache und übersichtliche Art der Lagerung gefunden habe, kann ich wesentlich effizienter agieren und mich auf das wesentliche konzentrieren. Auch sorgt eine ordentliche Aufbewahrung sorgt auch dafür, dass die Truppen bei guter Gesundheit, also die Schiffe heile bleiben. Und was ist frustrierender, als wenn während eins langen Turniers ein Schiff abbricht oder man einen bestimmten Token nicht mehr findet?

Auch die Platzierung der Materialien am Spielfeld gehört zur Ordnung. Auch hierfür gibt es keine Patentlösung, sondern jeder Spieler sollte die für sich optimale Lösung finden. Hierdurch kann ebenfalls die Spieleffizienz gesteigert und das Erlebnis für beide Spieler verbessert werden. Nichts ist für mich bspw. weise nerviger, als den Spielbetrieb dadurch aufzuhalten, das ich einen Token, ein Schiff, die Würfel oder Ähnliches nicht finden kann.

 

Abschließend lässt sich sagen, dass die Beachtung aller oben genannten Punkte in jedem Konflikt, ob im Alltag oder am Spieltisch, ein erster Schritt zu einem Erfolg ist. Das Prinzip wird seit über 2000 Jahren gelehrt und hat nie seine Gültigkeit verloren. Auch ich werde mich wohl in Zukunft mehr daran halten (müssen).

Das soll es für den ersten Teil gewesen sein. Vielen Dank fürs Lesen und viel Erfolg!

RebelScum

2 Kommentare zu „Die Kunst des X-Wing 1: Die Bewertung der Lage

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